
Ennsradweg
Video
Karte zur
Tour
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Der Ennstal Fahrradweg ist der jüngste Flussradwanderweg
Österreichs, und man sagt er sei auch der Schönste. Absolutes
Highlight ist der Abschnitt der durchs "Gesäuse" führt, einer
der großen Canyons Europas. Die Enns entspringt auf 1800 Metern
Höhe in der Nähe von Flachau (ca. 70 Km südöstlich
von Salzburg). Der Ennsradweg beginnt in Flachau auf 1200 Metern
Höhe, und endet in Enns an der Donau. Er ist ca. 280 Km lang, und
hat eine Höhendifferenz von ca. 900 Metern.
(Siehe Karte unten)
Etappe 1 Radstadt
- Schladming
Los ging's in Radstadt auf dem Campingplatz bei traumhaftem Wetter.
Radstadt ist von einer interessanten Stadtmauer umgeben, ein
Spaziergang rundherum zeigt historische Ereignisse der Region mit
Schautafeln. Der Ennstalradweg ist hier oben gut ausgeschildert. Auch
wenn man
den Weg verloren hat wird man immer wieder zurück geführt.
Stadtmauer von
Radstadt
Der Radweg
verlässt Radstadt, und verläuft auf der rechten Talseite
direkt neben der noch jungen Enns. Links zog langsam das Dachstein
Massiv mit den letzten Schneeresten vorbei, während wir
gemütlich flussabwärts pedalierten. Mal wechselte der
Radweg auf die linke, dann über kleine Brücken wieder auf die
rechte Flussseite.
Die noch junge Enns
unterhalb von Radstadt
Größere Steigungen sind auf der Etappe bis Schladming nicht
zu überwinden. Bei einer kurzen Rast wurden wir von einer ganzen
Horde Tourenradler überholt, ansonsten ist es still, nur die Enns
gurgelt vor sich hin, und ein paar Kuhglocken schellen übers Tal.
Dachsteingebirge
Etappe 2 Schladming - Aigen
In Schladming fand gerade ein Mountainbike Worldcup statt. Die Stadt
war voller Rennteams und Bikern mit ihren Maschinen. Der Downhill
Wettbewerb war auf einer Skipiste, die sich vom Campingplatz
gut beobachten ließ: Wahnsinn!!
Runter fahren würde ich da schon auch, aber nicht in der
Geschwindigkeit!
Die ganze Nacht ging ein schwerer Landregen nieder, und erst morgens
gegen 9 Uhr hörte es auf. Als wir um 10 Uhr am Bahnhof in
Schladming los fuhren war es noch sehr stark bewölkt, aber schon
bald kam die Sonne heraus.
Mal
wieder über die Enns
Hinter
Schladming wechselten wir auf dem Ennsradweg mehrmals die Talseite. Der
Weg führt durch die Dörfer, die rechts und links an der
Talflanke liegen. Das ist anstrengend und viel weiter als der Weg auf
der Bundesstraße, da man sich dauernd diagonal über das
Ennstal bewegt. Dafür schob zunächst ein guter
Rückenwind von hinten,
der nach der Mittagspause
aber plötzlich kräftig von vorne kam! Das Tagesziel war Aigen
am Putterer See mit seinem Campingplatz. Wir waren so ins Radeln und
Geschichtenerzählen vertieft, dass ich mich kaum um die
Navigation gekümmert hatte. Irgendwann fragte Leonie wie weit es
denn noch sei. Ich befragte unseren Taschennavigator
nach der aktuellen Position, und wir stellten fest, dass wir nur
noch 2 Km vom Campingplatz entfernt waren! Annette hat dann den
Navigator in die Fahrradtasche gesteckt, und wir haben uns vom
Navigationssystem zum Campingplatz führen lassen, der etwas
abseits der Enns liegt:
Lässig :-)) !
Das Auto aus Schladming abzuholen wurde dann für mich zu einem
kleinen Abenteuer. Zunächst fuhr ich die paar Kilometer nach
Wörschach mit dem Fahrrad. Dort stellte ich fest, dass der
nächste Zug erst in einigen Stunden hier halten würde. Also
die 7 Km weiter nach Liezen. Dort gab's bis zum nächsten Zug
nochmals mehr als eine Stunde Aufenthalt. Dann mit dem Zug nach
Schladming und mit dem Auto und Wohnwagen wieder zurück. Nach 4,5
Stunden war ich endlich wieder am Campingplatz....
Zu Fuß ins
Gesäuse
Aus dem Abenteuer vom Vortag hatte ich immerhin gelernt, dass am
Wochenende kaum Bus oder Bahnverbindungen bestehen, und heute war
Samstag. Also fuhren wir mit dem Auto nach Weng, an den Anfang des
Gesäuses. Hier kann man
auf Fritz Proksch Weg 3 Km ins Gesäuse wandern.
Blick auf den
Gesäuse Eingang
Der Weg ist von Juni bis Oktober geöffnet, und führt zum Teil
abenteuerlich unter und über gestürzte Bäume an der
linken Talseite entlang. Zwischendurch gibt es Schautafeln zur Flora
und
Fauna, und der Verkehrserschließung des Gesäuses vor 150
Jahren.

Ab hier geht's los...
Weiter
unten in der Schlucht ist Rafting möglich. Durch die Engstellen
beschleunigt der Fluss von ca. 20 Km/h auf bis zu 100 Km/h!

An
einem Bergrutsch endet der Weg dann. In historischer Zeit hatte dieser
die Enns aufgestaut, bis sich der Fluss in einer gigantischen
Flutwelle den Weg wieder freigemacht hat.
Etappe 3 Liezen - Admont
Heute war Sonntag, und der einzige Zug der Sonntags in Admont
hält,
fährt morgens gegen 7.00 Uhr und Abends gegen 19.00 Uhr. Also gab
es
heute
nur eine kurze Etappe, da ich diesmal mit dem Rad zum Bahnhof in Liezen
zurück musste.
Frauenberg, die
Wallfahrtskirche des Stiftes Admont
Bis Frauenberg
folgt der Radweg meist der Gesäuse Bundesstraße, allerdings
auf einem eigenen Radweg, und ohne allzu viele Steigungen.

Danach wechselten wir mit dem Radweg auf die rechte Talseite Richtung
Aigen auf eine kleine Landstraße ohne Verkehr. Munter ging es
einige Male auf und ab. Lucas erstellte seinen neusten Downhill
Geschwindigkeitsrekord von 53 Km/h.
In Admont kann die größte Klosterbibliothek der Welt
besichtigt werden. Die Familie gab sich jedoch eher weltlichen
kulinarischen Genüssen hin, während ich nach Liezen
zurück radelte, um das Auto zu holen....
Etappe 4
Admont - Landl
Endlich, das Highlight des Enns Radweges: Mit dem Fahrrad durchs
Gesäuse!!
Wir parkten das Auto in Admont am Bahnhof. Am Campingplatz hatte uns
der Platzwart freundlicherweise einen Fahrplan der ÖBB geschenkt,
so dass die Etappenplanung einfacher wurde. Der Radweg führte
nochmals an der Laufenbauer Holzbrücke vorbei, an der wir am
Vortag den Fritz Proksch Weg
begonnen hatten.

Im Gesäuse
Im
Gesäuse gibt es kaum einen Radweg, man fährt fast die ganze
Zeit auf der glücklicherweise wenig befahrenen Gesäuse
Bundesstraße.

Die
Straße verläuft etwas abseits des Flusses, und wenn beide
parallel verlaufen verhindern hohe Bäume zunächst die Sicht
auf die Enns. Wir nutzten das stellen weise starke Gefälle der
Straße um Schwung für den nächsten Anstieg zu holen.
Lucas: "Oh je da vorne geht es ja schon wieder hoch!!" .....

Im
Gesäuse gibt es 2 Tunnels, die für Radfahrer gesperrt sind.
Der Radweg wird auf der alten Gesäusestraße um die Tunnel
herum geführt, und hier boten sich dann tolle Ausblicke auf die
Enns und das Gebirge.

Tunnelumfahrung
Bis
Hieflau hielten sich die Steigungen jedoch in Grenzen, die letzten 7 Km
bis Landl zum Campingplatz hielten jedoch noch 2 Anstiege bereit, die
ich später mit dem Auto nur im 3. Gang bewältigen konnte. Die
Zeit wurde knapp, denn unter der Woche fahren die Züge nur alle 2
Stunden. Zum Glück gab es am Campingplatz einen Badesee für
die
Kinder, und 5 Minuten bevor der Zug einfuhr war ich am Bahnhof in
Landl, der ganz unten in der Schlucht liegt.

Eine Lok, zwei Wagons und ein Fahrgast: Mich!

Mit
dem Zug zurück durchs
Gesäuse
Vom
Zug aus ist die Sicht besser als von der Straße, da sich die
Eisenbahnlinie auf der linken Talseite befindet und freien Blick auf
das Gebirge erlaubt.
Der
Badesee am Campingplatz Mooslandl war so verlockend, dass wir 2
Nächte blieben.
Etappe 5 Landl -
Kleinriefling
Am nächsten Morgen beim beladen meines Fahrrades dann der Schock:

Rahmenbruch
Rahmenbruch
am oberen Holm meines Fahrrades an einer alten
Seilzugdurchführung.
Wie man an den Roststellen erkennen kann schien es den Riss schon
einige Zeit gegeben zu haben. Am oberen Riss ist der Rost etwas
heller, daran kann man erkennen, dass der Rahmen bei den
Belastungen der letzten Tage an dieser Stelle gearbeitet hatte! Am Tag
zuvor war ich mit z.T. über 50 Km/h den Berg hinunter gefahren.....

Auf und Ab
In der nächsten Autowerkstatt in Großreifling fragte ich den
Meister, ob er mir einen Schweißpunkt auf die Stelle setzen
könne, aber er meinte das Rohr sei zu dünn zum
Schweißen... So fuhr ich denn ohne Gepäck weiter um den
Rahmen nicht weiter unnötig zu belasten, immer mit einem Finger
auf der Bruchstelle um die Belastung zu prüfen. Bei
normaler Fahrt hielten sich die Schwingungen in Grenzen, so dass
ich die letzten 2 Etappen der Radtour wagen wollte.
Der Ennsradweg machte es uns nicht leicht auf diesem Stück. Es gab
keinen Radweg, und die Straße führte ständig auf und
ab. Mal waren wir unten am Fluss, dann ging es wieder nach oben.
Wenigstens blies der Wind ein wenig von hinten.

Die gestaute Enns bei Kleinreifling
In
Kleinreifling beendeten wir die Tour für heute, da danach die
Zugverbindungen zurück nach Landl ungünstig waren. Annette
kam mit einem Busfahrer ins Gespräch, der zufälligerweise
nach Landl zurückfahren wollte, um die Schulkinder über die
Dörfer zu verteilen. An diesem Tag gab es aber außer uns
aber keine Kunden, und so fuhr der Bus nur für uns zurück
nach Landl. Der freundliche Mann fuhr extra einen Umweg, und setzte uns
direkt vor dem Campingplatz ab. Echt klasse!
Etappe 6 Kleinreifling -
Steyr
Glücklicherweise gab es auf der letzten Etappe bald wieder einen
eigenen Radweg, diesmal auf der linken Talseite.
Endlich
wieder einen eigenen Radweg
Nach einiger Zeit wurden wir von 2 Radlern aus Berlin überholt,
die wir schon in Radstadt auf dem Campingplatz getroffen hatten. Wir
waren dort erst gegen 22.30 Uhr auf dem Campingplatz angekommen, und
mussten mangels Platz unseren Wohnwagen direkt neben deren Zelt
parken. Am nächsten Morgen waren die beiden reichlich muffig,
wahrscheinlich hatten wir sie aus dem Schlaf gerüttelt....
Jetzt waren sie ganz aufgeweckt, konnten wir doch unsere Erfahrungen
der letzten Tage austauschen.
Charakter der Tour: Sehr
schöne Mittelgebirgslandschaft
und wenig Verkehr. Oberhalb des Gesäuses meist abseits der
Straße über Wirtschaftswege. Durchs Gesäuse fährt
man auf der Straße, bei geringem Verkehrsaufkommen. Zwischen
Hieflau und Kleinreifling verläuft der Radweg auf der wenig
befahrenen Straße. Leider geht es hier ständig bergauf und
bergab, da die Straße nicht dem Fluss folgt, sondern
über die Hügel abkürzt. Bis Steyr wird das Tal dann
breiter, und man fährt wieder auf Fahrrad- bzw. Wirtschaftswegen.
Ca. 80% des Radwegs sind asphaltiert.
Beschilderung:
Der Radweg ist sehr gut ausgeschildert. Verfahren ist praktisch
unmöglich.
Verkehrsverbindung im Ennstal:
Durch das ganze Tal führt eine Eisenbahnlinie. Kleine Stationen
werden z.T. nur 1-2 Mal/Tag angefahren. Am Wochenende hält jedoch
auch an den größeren Stationen kaum ein Zug. Die Busse
verkehren meist nur lokal um die größeren Gemeinden. Am
Wochenende praktisch auch nicht. Fahrpläne gibt's bei:
www.öbb.at
Übernachtung:
Wir sind von Campingplatz zu Campingplatz geradelt. Abends bin ich mit
dem Bus/Zug zurückgefahren und habe das Auto zum nächsten
Platz gefahren. Je nach Distanz zum nächsten Platz sind wir einige
Male auch zusammen mit dem Zug zum Campingplatz zurück gekehrt,
und haben das Auto erst einen Tag später auf den nächsten
Platz gebracht. Die Pensionen im Tal haben sich auf die Radler
eingestellt. Ein Zimmer für eine Nacht zu bekommen ist kein
Problem.
Reisezeit:
Mai bis Oktober. Wir waren im September unterwegs. Angenehme 25°,
wobei die Sonne noch so viel Kraft hatte, dass man froh war etwas
Schatten zu finden.
Karte
zur Tour
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