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Im Mai 2004 waren die Kinder nun endlich alt genug (5 und 8), um die
erste große Fahrradtour in Angriff zu nehmen. Am meisten
Spaß macht uns das Radeln eigentlich im Gebirge. Da Kinder in
diesem Alter noch nicht extrem belastbar sind, war klar, dass es
eine Tour sein muss, die mit wenig Steigung verläuft.
Ideal ist daher dem Lauf eines Flusses zu folgen. Nach einigen
Recherchen im Internet haben wir uns für einen Teil des Etschtal
Radweges entschieden, und zwar vom Reschenpaß abwärts
über Meran, Bozen, Richtung Trient. Dieses Stück ist Teil der
antiken Römerstraße Via Claudia Augusta die vom Po bis an
die Donau führte.
Traumhaftes Radeln
durch
Apfelplantagen
Gasthof, Hotel oder ... ?
Es gibt einige Bücher zur dieser Strecke, zum Teil auch mit
Übernachtungshinweisen. Der für uns größte
Nachteil ist jedoch, dass man die einzelnen Etappen vorbuchen
sollte, da wir (2 Erwachsene 2 Kinder) zwei Doppelzimmer benötigen
würden. Wenn die Kinder nicht mehr weiter wollen, oder das Wetter
umschlägt, steht man da und muss schauen, wie man das
Etappenziel erreicht.
Ganz spontan habe ich mir überlegt, was wäre wenn wir mit
einem
Caravan!
unterwegs wären? Nix vorbuchen, leichtes Gepäck am Rad,
flexibel, die Kinder haben ihr eigenes Gehäuse dabei, und wir
müssen uns beim Gepäck und den Spielsachen nicht
einschränken. Nachteil ist natürlich, dass man abends
irgendwie den Wohnwagen zum Campingplatz bringen muss:
Nicht schlimm, das ganze Etschtal ab Meran aufwärts wird mit
Linienbussen bedient, die alle 60-90 Minuten fahren. Ab Meran
abwärts gibts dann die Eisenbahn.
Dumm nur: Es war April, und wir wollten im Mai fahren, und hatten noch
keinen Wohnwagen. Dank Internet habe ich tatsächlich noch einen
Caravan gefunden, der noch zu mieten war. Schön war er nicht, aber
Stockbetten für die Kinder, und eine umbaubare Sitzgruppe als
Elternbett. Für 2 Wochen völlig in Ordnung.
Die 4
Fahrräder sind
am Heckgepäckträger am Bus untergebracht
Etappe 1
Los gehts auf dem Parkplatz der alten Zollstation am Reschenpass. Bis
hier fahren auch die Busse von Meran herauf. Das Gespann haben wir hier
stehen lassen. Die alte Zollstation liegt allerdings nicht auf dem
höchsten Punkt, man muss die ersten paar Minuten also erst
mal ordentlich reintreten.
Beim Start war das Wetter noch ganz gut, kaum hatten wir jedoch den
Reschensee erreicht, fings an zu tröpfeln.
Alte Radler Erfahrung: Immer in Bewegung bleiben, dann ist man
schneller aus dem Regen raus....
Nix wars: Ausgerechnet auf einem Teilstück des Seeufer Radweges,
an dem es keine Möglichkeit gibt unter zustehen, hat uns ein
Wolkenbruch erwischt. Wir hatten zwar Regenkleidung, allerdings nur
"oben herum". Wir haben dann nass in einem Tunnel gewartet, bis es
vorbei war, die Temperaturen waren allerdings danach im Keller, und wir
noch ziemlich feucht. Egal, weiter zur Staumauer. Dahinter gings dann
wieder los mit dem Regen, und wir haben uns auf den nächsten
Campingplatz "Töni" direkt unterhalb der Staumauer gerettet.
Etappe 2
Die ganze Nacht hatte es geregnet, aber nach dem Frühstück
war
es dann trocken.
Zunächst ging es immer am unteren See entlang,

über Brücken und durch den Wald.

Nach dem unteren See gehts dann ordentlich bergab, durch
wunderschöne alte Dörfer, immer an der Etsch entlang.
Im Laufe des Vormittags wurde
es über uns immer heller, um uns herum konnte man allerdings die
Regenschauer sehen.

In Schluderns mit seiner wunderschönen Stadtmauer waren wir
einfach zu schnell: Wir hatten den Regen eingeholt. Eine laaaange Pause
und ein paar Eis später, konnten wir dann langsam weiter radeln.
Das Tagesziel war noch undefiniert, insgeheim wollte ich aber wenn
möglich Latsch erreichen, was dann auf halber Strecke nach Meran
gelegen hätte.
Zwischendurch gehts auch mal ordentlich nach oben....
Die Motivation der Kinder
wurde ins Unermessliche gesteigert, als ich ihnen vom
Abenteuerspielplatz auf dem Camping Latsch mit seinem Schwimmbad
erzählt hatte. Die wollten gar nicht mehr aufhören, 65Km !
Der Campingplatz war ganz nett, das Schwimmbad gut, der Spielplatz
allerdings eine traurige Angelegenheit. Von wegen Abenteuer! Das
Abenteuer bestand darin, auf den klapprigen Gestellen herum zu turnen!
Etappe 3
Am nächsten Morgen
erwartete uns traumhaftes Wetter. Die Sonne brannte dermaßen
herunter, dass wir im Wohnwagen frühstückten,
draußen im Windschatten war es einfach zu heiß. Das Gespann
wurde vor dem Campingplatz in der Nähe der Bushaltestelle geparkt.
Es geht bergab, und von
hinten bläst ein ordentlicher Wind, der die Temperatur
erträglich macht. Einige Radler haben sich für die
Gegenrichtung entschieden, die tun mir richtig leid: Bergauf, und dann
noch starker Gegenwind....
Zwischendurch gibts auch mal eine Dusche
Es gibt eine Menge Gaststätten am Weg, die sich auf Radler
und Wanderer eingestellt haben. Sobald der Hunger quält, sucht man
sich was nettes aus.
Traumhafte Aussicht auf die Meraner Berge
Am Nachmittag erreichten wir
gemütlich Meran mit seinem Stadtcampingplatz. Eine schöne
Etappe, ohne Verkehr, lediglich in Meran wird der Verkehr mit den
Kindern ein wenig lästig. Der Campingplatz ist einfach, aber
sauber und zentral gelegen. Das Schwimmbad ist allerdings noch nicht
geöffnet.
Wir pausierten hier für einen Tag, und wanderten auf dem Marlinger
Waal ,
Am Marlinger Waal bei Meran
diesmal allerdings von Marling in Richtung Quelle, was sich als das
spektakulärere Stück erweist. Zum Teil verschwindet der Waal
im Tunnel, und der Wanderweg ist auf Brücken um den Felsen
herumgeführt.
Links gehts weit und steil bergab
Etappe 4
Die Kinder wurden von der Sonne geweckt, und wir von den Kindern, die
unbedingt weiter fahren wollten. Nix war's mit ausschlafen.
Da der Platz nicht voll
belegt war, durfte ich das Gespann bis zum Nachmittag auf dem
Gelände des Zeltplatzes stehen lassen. Sehr freundlich!
Der Radweg läuft direkt am Campingplatz vorbei, und wir fuhren
ohne
viel Verkehr aus Meran hinaus. Leider hat sich die Beschilderung im
folgenden verloren, und der Radführer konnte uns auch nicht
weiterhelfen. Wir wechselten mehrmals die Talseite auf der Suche nach
einem Weg ohne viel Verkehr. Zuletzt sind wir dann durch die Plantagen
gefahren, wobei das eigentlich nicht erlaubt ist, das ist
Genossenschaftsland.
Der Weg führte über viele Kilometer auch erfolgreich in die
richtige Richtung, hörte dann aber auf. Den kleinsten Gang hinein,
und durchs Gras unter den Bäumen hindurch, bis wir wieder auf
einen Weg stießen. Zum Glück gabs zwischen den Plantagen
keine Zäune oder Gräben!
Apfelplantagen zwischen Meran und Bozen
Der Lohn unserer Mühe
war dann völlig überraschend mitten in den Apfelhainen eine
wunderschöne Wirtschaft, in der wir auf einer Wein belaubten
Terrasse ein gepflegtes Mittagsmahl einnahmen.
Bei Bozen über die Etsch
Die Etappe beendeten wir in Leifers, auf dem Camping "Steiner". Toll,
mit Frei- und Hallenbad!
Ich musste nun zum ersten mal mit der Bahn zurück. Ich hatte
gedacht dass das schneller geht als mit dem Bus. Von wegen! Von Leifers
bis zum Bahnhof waren es 5Km. Die bin ich dann gleich mit dem Rad
gefahren. In Bozen musste ich umsteigen, dabei fuhr mir der
Anschlusszug gerade vor der Nase weg. 1 Stunde Wartezeit. Auf dem
Weg nach Meran führt die Bahnlinie an der Etsch entlang, was sehen
meine müden Augen: Der Radweg führt direkt linksseitig am
Fluss entlang. Ganz neu und frisch geteert. So neu, dass
für die Beschilderung noch keine Zeit blieb! Wir hatten ihn immer
nur ganz knapp verpasst...
Etappe 5
Ab Bozen wird die Navigation ganz einfach: Rechts oder linksseitig der
Etsch immer auf dem Hochwasserdamm entlang.
Rechts und links die Berge,
Apfelplantagen (was sonst ?), und kein Verkehr. Das Gespann hatten wir
für die letzte Etappe auf dem Campingplatz stehen gelassen, wir
wollten von Trient aus mit dem Zug zurück fahren.
Der Plan war gut, jedoch kam
gegen Mittag mit der Thermik Wind auf, der uns die letzten Tage immer
so schön geschoben hatte. Diesmal jedoch von vorne!
Außerdem war das Schwimmbad auf dem Campingplatz für die
Kinder ein großer Anreiz, von dem sie sich mit jedem Pedaltritt
weiter entfernten. Es kam wie es kommen musste: Zum Streik der
Kinder!
So richtig böse konnten wir nicht sein, war doch die Tour viel
besser gelaufen als wir gedacht hatten. Der ganzen Familie hat es so
viel Spaß gemacht, dass für 2005, 2006, 2007,.... die
nächsten Fahrradtouren geplant sind. Damit wir dabei so richtig
flexibel sind, haben wir uns auch gleich noch einen eigenen Wohnwagen
gekauft....
Charakter
der Tour bis Trient: Sehr
schöne Landschaft
und wenig Verkehr. Zwischen drin geht es auch mal wieder nach oben,
aber nicht zu lange.
Beschilderung:
Der Radweg ist meist gut ausgeschildert. Manchmal hilft allerdings nur
das Gefühl weiter.... Man fährt man zu 90%
auf Asphalt, die Naturstraßen sind aber sehr gut zu befahren. Ab
Meran gibt es praktisch nur noch Asphalt.
Verkehrsverbindung im Etschtal:
Zwischen Reschenpass und Meran verkehren Busse, ab Meran die Eisenbahn.
Bei Beiden ist eine Fahrradmitnahme möglich.
Übernachtung:
Wir sind von Campingplatz zu Campingplatz geradelt. Abends bin ich mit
dem Bus/Zug zurückgefahren und habe das Gespann nachgeholt. Eine
Übernachtung in Pensionen ist wohl auch kein Problem. Siehe die
Bikeline Buch Reihe.
Reisezeit:
Wir waren im Mai/Juni unterwegs. Das war am Reschenpass
naturgemäß noch recht kühl, ab Meran aber genau
richtig.
Karte zur
Tour
Wie gings weiter?
Zum Abhängen und "Regenerieren" fuhren wir zum besten Campingplatz
Europas, zum Caravanpark
Sexten.
Davon hatten wir schon viel gelesen, und es waren nur ca. 100 Km.
Da machst Du
morgens die
Tür auf und dann....
Der Platz und die Lage: Ein Traum!
Allerdings war erst Mai, und der Platz liegt auf über 1000
Meter Höhe. Es war frisch, und die Kinder haben aus den
Schneeresten den letzten Schneemann des Jahres gebaut.
Diese Kitschfotos
kennt
man sonst nur von Kalenderfotos, im
benachbarten Fischleintal
kann man sie aber eigenhändig
schießen.
Auf dem Rückweg über den Brenner wollten wir der Pfingst
-Rückreisewelle ein Schnippchen schlagen, und haben eine
Zwischenübernachtung vor dem Brenner eingelegt, um am
nächsten Morgen ganz früh drüber fahren zu können.
Die Gilfenklamm
liegt bei Sterzing in Südtirol, kurz vor dem Brennerpass und
ist einen Zwischenstopp allemal wert.
So sieht man aus, wenn man farbige Lollies lutscht
:-)
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